Unterbringung von Flüchtlingen im Wetteraukreis und Runde Tische für Flüchtlinge

Anfang 2017 ist jetzt die gesamte sozialarbeiterische Betreuung der Geflüchteten privatisiert worden. Nach der 2. Ausschreibung der „Dienstleistung“ ist die Sozialarbeit vom DRK und Wetteraukreis an „Regionale Dienstleistungen Wetterau“ (RDW) und „European Homecare“ (EHC) übergeben worden. Künftig wird RDW für Altenstadt, Bad Vilbel, Glauburg, Karben, Limeshain, Niddatal, Wöllstadt und Büdingen zuständig sein. European Homecare betreut Flüchtlinge in Bad Nauheim, Echzell, Hirzenhain, Münzenberg, Nidda, Ortenberg, Ranstadt, Reichelsheim, Rockenberg, Wölfersheim und der Kreisstadt Friedberg. In den Städten Butzbach, Rosbach, Florstadt und Gedern und den Gemeinden Ober-Mörlen und Kefenrod wird die sozialarbeiterische Betreuung durch die Kommune sichergestellt.

Zu befürchten sind erneut große Reibungsverluste bei der Sozialarbeit in der Einarbeitungsphase der neuen Träger, die mehr oder weniger von den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer*innen aufgefangen werden müssen. Dabei ist jetzt schon erstaunlich, wie viele dieser Helfer*innen den Kampf mit der Bürokratie auf den verschiedensten Ebenen durchgehalten haben. Dafür gebührt ihnen große Anerkennung und großer Dank. Ihre Inklusions- und Integrationsarbeit ist nicht nur ein humaner Dienst an den Geflüchteten, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind und in ihrer großen Mehrzahl in unsere Gesellschaft aufgenommen werden wollen, sondern ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung und Weiterentwicklung unserer Demokratie. Es ist daher ein Witz, dass sie dafür von alten und neuen Rechtsradikalen und Reaktionären kritisiert und in verschiedenen Teilen unseres Landes auch drangsaliert werden, von Menschen, die die „abendländische Kultur“ im Munde führen und sie gleichzeitig mit Füssen treten.

Wie die Aufnahmeprozedur von Flüchtlingen durch den Wetteraukreis vonstatten geht, kann man diesem Artikel aus dem „neuen Landboten“ entnehmen.

Hier ein Interview mit Herrn Beschel aus dem Kreisanzeiger vom 28.5.16. Interessant ist, dass Betschel die AG-Flüchtlingshilfe, die durch ihre Vermittlungsarbeit und Schaffung von Klarheit in den vielen „Grauzonen“, die es anfangs gab, einen großen Beitrag zur Entschärfung von Konfliktpunkten sowie zur Ausbildung und Information  von Flüchtlingshelfer*innen geleistet hat, mit keinem Wort erwähnt. Und dies, obwohl er direkt auf die Konflikte zwischen Ehrenamtlichen und Sozialarbeitern angesprochen wird. Das zeugt von Ignoranz, zumindest aber von mangelnder Wertschätzung der wichtigen Arbeit der AG. Auch bei der Beantwortung der gestellten Fragen bleibt er eher formal und an der Oberfläche. Die weitere Lektüre dieser Seite und der hier angebotenen Links gibt Ihnen einen guten Einblick in Geschichte und Konflikte des Jahres 2015.

Im September 2015 gab es eine Bürgermeisterdienstversammlung, bei der der Landrat und der Sozialdezernent den Bürgermeistern neue Verträge vorgeschlagen haben, nach denen sie für die Flüchtlinge in den Wohnheimen des Wetteraukreises 10 Euro und die Flüchtlinge in eigenen Unterkünften 30 Euro pro Person und Monat Zuschuss erhalten. Der Vorschlag wurde von den Bürgermeistern angenommen, es waren aber nicht alle da. Wie die Vereinbarung, die rückwirkend ab 1. September gelten soll nun umgesetzt wird, ist also noch nicht klar.

Eigentlich wollte der Wetteraukreis Ende Januar 2014 mit allen Kommunen Verträge abgeschlossen haben. Diese alten Verträge sollen jetzt durch die neuen ersetzt werden. Bis Januar 2015 hat sich nämlich nicht viel getan: 14 von 25 Kommunen haben die Verträge unterschrieben und nur 3 haben das Angebot angenommen, selbst die Sozialarbeit zu übernehmen. Der skandalöse Betreuungsschlüssel von einer Sozialarbeiterstelle auf 210 Flüchtlinge hat sich nicht verändert. Klar ist, dass das IZF die Idee der Runden Tische unterstützt, denn Verantwortung zu übernehmen für das, was im eigenen Lebensumfeld geschieht, ist ein wichtiges demokratisches Prinzip.  Jetzt muss in jedem Fall darauf geachtet werden, dass BürgerInnen, die Patenschaften übernehmen, nicht überfordert werden. Die Verantwortung dafür liegt vor allem bei den Behörden des Wetteraukreises, der Fachstelle Migration und der Ausländerbehörde, die darauf eingestellt sein müssen, dass sich BürgerInnen bei Fragen und Probleme an sie wenden und Geduld aufbringen, denn das muss alles erst gelernt werden. Gefordert sind da auch die SozialarbeiterInnen, die von den Kommunen eingesetzt werden. Was auf keinen Fall geht ist, die Runden Tische für Flüchtlinge nur zum Geldsparen zu nutzen. Wenn man den Hickhack zwischen Kreis und Kommunen sieht, drängt sich dieser Eindruck immer mehr auf! Auch wird deutlich, dass selbst der Betreuungsschlüssel von 210 Flüchtlingen zu 1 SozialarbeiterIn nicht eingehalten wird, dass teilweise Flüchtlinge ohne Anhörung und Papiere direkt an die Kommunen weitergereicht werden und dass Beratung von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern durch SozialarbeiterInnen nur wenig stattfindet.

Hier der Redebeitrag des IZF Vorsitzenden Johannes Hartmann zur 2. Asylkonferenz des Wetteraukreises am 27.11.15, der Auskunft über die bisherige Arbeit der AG Flüchtlingshilfe und die Gesamtsituation bei der Integration von Flüchtlingen gibt:

Unter folgendem Link finden Sie einen Bericht aus der Frankfurter Rundschau über die aktuelle Lage mit mehreren weiteren Links. http://www.internationales-zentrum-friedberg.de/frankfurter-rundschau-wetterau-fluechtlinge-zaehes-ringen-um-geld

Unter folgendem Link haben wir eine Checkliste für die Paten von Flüchtlingen veröffentlicht, die die Vielzahl der Aufgaben erkennen lässt. Aber bitte nicht entmutigen lassen, über die Zeit verteilt ist das alles zu stemmen. Man darf nur nicht gleich alles auf einmal wollen: http://www.internationales-zentrum-friedberg.de/checkliste-patenschaften-fuer-fluechtlinge 

Und hier eine Liste, was bei der Gründung eines Runden Tisches für Flüchtlinge inhaltlich und organisatorisch berücksichtigt werden sollte. Die Liste finden Sie unter: http://www.internationales-zentrum-friedberg.de/muessen-wir-beim-aufbau-von-runden-tischen-fuer-fluechtlinge-bedenken . Hier finden Sie auch noch weitere aktuelle Zeitungsartikel mit nützlichen Initiativen in unterschiedlichen Kommunen. Dazu noch die Kernaufgaben der SozialarbeiterInnen des Wetteraukreises und des DRK, in die sich Ehrenamtler nicht einmischen sollten (es sei denn, es läuft etwas unverantwortlich schief) Viele HelferInnen sind auch geschockt über Platzmangel und spartanische Ausstattung in den Unterkünften:

Beispiele für die längerfristigen Herausforderungen geben die Artikel in der FR vom 9.4.14 mit dem Titel: „Positive Grundstimmung“ und im Kreisanzeiger vom 20.9.14. Hier wird deutlich, dass die Flüchtlingspaten, die ja über keine Ausbildung verfügen, eine fachliche Begleitung brauchen. IZF und Dekanat Wetterau der ev. Kirchen haben mit vielen anderen Organisationen und Einzelpersonen zusammen die AG-Flüchtlingshilfe gegründet. Die AG hat eine eigene Webseite erstellt, die Ihnen einen Überblick ermöglicht, welche Angebot es im Wetteraukreis gibt und Kontaktadressen für die konkrete  Arbeit und Hilfen vor Ort bereithält:  http://www.ag-fluechtlingshilfe-wetterau.de/ . Ziel ist, die Zusammenarbeit von Ehrenamtlern und Hauptamtlichen Kräften in der Flüchtlingshilfe zu fördern und die Interessen dieses Personenkreises und der Flüchtlinge gegenüber dem Wetteraukreis zu vertreten. Ein Problem ist, dass die Mitarbeiterinnen der Fachstelle Migration bei Anfragen der Paten keine Zeit haben, sich damit adäquat zu befassen oder telefonisch gar nicht mehr erreichbar sind. Hier besteht großer Handlungsbedarf, sonst springen Paten ab, eine Gefahr, auf die Pfarrer Giesler im dem Artikel ebenfalls hinweist: Karben_ _Positive Grundstimmung_ Weitere Artikel finden Sie unter Migration und Flüchtlinge / Zähes Ringen um Geld.

Kreisanzeiger: http://www.kreis-anzeiger.de/lokales/wetteraukreis/landkreis/nidda-betreut-fluechtlinge-vorbildlich_14607928.htm

Inzwischen ist die Zahl der FlüchtlingssozialarbeiterInnen im Wetteraukreis wegen weiterer Flüchtlinge um 3  Stellen aufgestockt worden. Allerdings wurden diese Stellen nicht in der Fachstelle Migration geschaffen, sondern sind „extern“  an das DRK vergeben worden. Sie haben ihre Arbeit Anfang September 2014 aufgenommen. Sie sind in 3 verschiedenen Regionen des Wetteraukreises angesiedelt, damit die Anfahrzeiten zu den Kommunen, für die sie zuständig sind, nicht so viel wertvolle Arbeitszeit verbrauchen. Zumindest das klingt vernünftig, wenn auch der unglaubliche Schlüssel: Eine Sozialarbeiterstelle auf 210 Flüchtlinge, nicht geändert wurde und damit die Mangelverwaltung weiter geht.

Weitere Infos und aktuelle Zahlen finden Sie unter dem Menüpunkt Flucht/Migration